Juni 2021

Anne-Frank-Tag 2021

Über 500 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich am Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus

Von Jonas Ivo

Am vergangenen Montag war nicht nur aufgrund des sonnigen Wetters viel los in der Schmallenberger Kernstadt: Über 500 Schülerinnen und Schüler des Städt. Gymnasiums beteiligten sich am Anne-Frank-Tag, einem bundesweiten Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus. Die Schülervertretung des Gymnasiums organisierte aus diesem Anlass einen Projekttag für die ganze Schule, bei dem in verschiedenen Programmbausteinen u. a. auch die Geschichte und Schicksale der jüdischen Gemeinde in Schmallenberg thematisiert wurde. 

 

Anne Frank: Ein Blick in die Geschichte
Der Aktionstag wird zentral vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin organisiert und steht in jedem Jahr unter einem besonderen Thema. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich in diesem Jahr mit der Geschichte von Anne Frank in der Zeit des Nationalsozialismus zu befassen, wobei insbesondere das Untertauchen vor den Nationalsozialisten in den Fokus gerückt wurde. Dazu wurde der Schule kostenlose Lernmaterialien zur Verfügung gestellt. „Als Mitglied des Netzwerkes ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ ist es uns wichtig, die Schülerinnen und Schüler für Antisemitismus und Rassismus zu sensibilisieren“, erklärt Hannes Tigges, Schülersprecher des Gymnasiums. „Gerade aufgrund der anstrengenden letzten Wochen wurde der Aktionstag auch sehr gut von den Schülerinnen und Schülern angenommen und hat eine schöne Abwechslung zum Schulalltag geschaffen“, ergänzt Amy Hochstein, stellvertretende Schülersprecherin.

 

Stadtrallye zur jüdischen Geschichte
Einer der Programmpunkte war eine Stadtrallye durch die Schmallenberger Kernstadt, bei der die Schülerinnen und Schüler verschiedene Orte mit Bezug zur jüdischen Geschichte ansteuerten. Am Vormittag und Mittag machten sich so über 500 Schülerinnen und Schüler auf den Weg in die Stadt, um mehr über die Geschichte hinter den im Jahr 2012 verlegten „Stolpersteinen“ zu erfahren, welche die Wohnorte der aus Schmallenberg deportierten Juden während des Nationalsozialismus kennzeichnen. Auch das Denkmal in der Synagogenstraße und der jüdische Friedhof waren Stationen der Rallye.
Zur Unterstützung nutzen die Schülerinnen und Schüler die vorhandenen iPads der Schule und eigene Endgeräte. Über die App „Biparcours“ wurde den Kindern die vorgegebene Route sowie weitere Informationen zu den Stationen angezeigt. Darüber hinaus waren einige Aufgaben zu lösen wie: „Wie viele Juden aus Schmallenberg wurden zwischen 1942 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet?“ (Antwort: 36).
Die vielen Schülergruppen in der Stadt blieben natürlich nicht unbeachtet: Zahlreiche Passanten erkundigten sich nach dem Grund, warum so viele Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihrer Lehrkräfte in der Stadt unterwegs waren. Dabei zeigten sich einige sehr begeistert von der Aktion und konnten den Schülerinnen und Schülern z. T. sogar noch weitere interessante Informationen über die einzelnen Stolpersteine geben. 
Auch bei den Schülerinnen und Schüler kam diese moderne Form der Schnitzeljagd gut an: „Die Stadtrallye war wirklich super vorbereitet und sehr informativ. Besonders die Informationen zu den persönlichen Schicksalen hinter den Stolpersteinen bewegte die Schülerinnen und Schüler sehr!“, berichtet Markus Kaiser, Klassenlehrer der 6b. „Einige der Kinder fragten mich, aus welchem Grund die Menschen denn eigentlich damals aus Schmallenberg weggebracht worden sind und was sie getan hätten. Dass die Deportation der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger natürlich nicht plausibel zu begründen ist, war da gar nicht so einfach zu erklären.“ „Das ist doch völlig verrückt, so etwas zu machen!“, war daraufhin die treffende Antwort einer Schülerin.

 

Ehemaliger Schulleiter Norbert Otto zu Gast
Einen besonderen Gast konnten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 am Mittag begrüßen. Mit Norbert Otto, lange Zeit selbst Schulleiter des Gymnasiums, konnte ein wahrer Experte zur jüdischen Geschichte in Schmallenberg gewonnen werden. Der Autor des bereits erschienenen Buches „Stolpersteine“, welches sich ausführlich mit den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in Schmallenberg beschäftigt, arbeitet derzeit an einem neuen Projekt, der Aufarbeitung der Geschichte der Familie Stern.
Nach einigen persönlichen Eindrücken, die Norbert Otto als ehemaliger Geschichtslehrer mit Augenzeugen des Holocausts sammeln konnte, stand er den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort zur jüdischen Geschichte in Schmallenberg. Hier bewies der Experte sein umfangreiches Wissen und konnte den Schülerinnen und Schülern noch viele weitere Informationen geben. Sein Appell an die Zuhörer zum Schluss: „Lesen Sie sich gut in die Geschichte ein, hinterfragen Sie Fakten und Erzählungen, vor allem jene, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Und ganz wichtig: Auch das Zurückweisen von kleineren antisemitischen Äußerungen, wie in einem blöden Spruch oder Witz, hilft schon dabei, die Welt ein bisschen besser zu machen.“